Die Gegenwart des Vergänglichen

Peter Gülke sinniert über Wesentliches – und spannt einen Bogen von Dufay bis Ruzicka

Peter Gülkes neues Buch verschränkt zwei Textebenen. In 54 essayistisch angelegten Kapiteln denkt der Dirigent und Musikwissenschaftler, der 2014 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, über Musik und verschiedene Formen von Abschied nach. Dazwischen stehen fünf «Selbstgespräche» – interpolierte, tagebuchartige Notizen, in denen er versucht, den Tod seiner Frau zu verarbeiten.

Ein persönliches Buch also, das – sofern man es als Sachbuch liest – eine lange Inkubationszeit haben dürfte und durch den biografischen Einschnitt weniger motiviert wurde als seinen finalen Energieschub erhielt. Insofern ist es müßig zu fragen, ob beide Textebenen wirklich sein müssen. Sie bedingen sich weder genetisch noch inhaltlich, sicherlich aber mit Blick auf die Schaffenspsychologie des Schreibprozesses. In den «Selbstgesprächen» strebt Gülke weder eine literarische Form an, noch belässt er es bei nüchterner Beschreibung. Er geht einen Mittelweg, was in diesem Fall größtmögliches (stilistisches) Risiko bedeutet. Schuldgefühle sind es vor allem, die den Zurückgebliebenen belasten – eine Erfahrung, die jeder bestätigen wird, der einen nahen Angehörigen verloren hat. Gülke mokiert sich ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Stephan Mösch