Passage ins Licht

Das Opern-Festival von Manaus leistet Pionierarbeit im Regenwald – und Eliane Coelho singt eine denkwürdige Isolde

Manaus gehört zu jenen romantisch  verrotteten Belle-Époque-Perlen, die man sich schön sehen muss und kann. Die bunt gestrichenen Fassaden des Dritten Rokoko und ihre verspielten Stuckaturen, Patios, Fayence-Kacheln und Eisenbalustraden wettstreiten mit der barocken Vegetation und Vogelwelt. Die Amazonas-Metropole verdankte ihren märchenhaften Reichtum dem Kautschuk-Boom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als die Engländer den Samen nach Asien exportierten, war es damit zu Ende. Malaysia produzierte billiger.

1925 schloss das rosafarbene Opernhaus, das ab 1883 mit seiner weithin sichtbaren in den brasilianischen Nationalfarben Grün und Gelb auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet und Silvester 1896 eingeweiht worden war. Nach aufwändiger Restaurierung wurde es 1997 seinem Dornröschen-Schlaf entrissen. Nun feierte das jeweils im April/ Mai stattfindende Manaus Opera Festival sein 15-jähriges Jubiläum.

Dass mitten im Dschungel «Tristan» oder «Der Ring des Nibelungen» aufgeführt wird, sei ein Wunder, meint die aus Paris stammende Sopranistin Isabelle Sabrié. Die Operalia-Preisträgerin von 1994 stieg vor drei Jahren aus dem kommerzialisierten Kulturbetrieb aus, um sich als ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Boris Kehrmann

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