Marionetten nach Bagdad

Freiburg, Weber: Oberon

Die Erkenntnis schlängelt sich durch die gesamte Weber-Literatur: dass die Paare Rezia/Hüon und Fatima/ Scherasmin wie Marionetten an den Fäden der zerstrittenen Elfenkönige Titania und Oberon bis in den Orient, bis nach Bagdad hinüber zappeln. Nur folgerichtig deshalb, dass der spätere Büchner-Preisträger Martin Mosebach in seiner zweiaktigen Neufassung des «Oberon» (Frankfurt 1995, Salzburg 1996) Nägel mit Köpfen macht und Sänger, Schauspieler und Marionetten Arbeitsteilung betreiben lässt.

Und konsequent auch, dass die Freiburger Neuinszenierung mit dieser Version ihren mit Ibsen/Griegs «Peer Gynt» sehr und mit Shakespeare/Sibelius' «Sturm» etwas weniger erfolgreichen Spartenmix fortsetzen.
Thomas Rumps Bühne hat mit ihren großen, schwarz glänzenden Kacheln etwas von einer Badeanstalt. In der Mitte hinten ist eine zweite, eine Bühne auf der Bühne eingelassen, die ein wenig nach Kasperltheater ausschaut. Beidseits Ausgucke in den Wänden, aus denen der Fortgang des Experiments sich praktisch beobachten und kommentieren lässt, die Gestalten sich quasi selbst verfolgen. Natürlich empfinden die Regisseure Michael Kloss und Manfred Roth nicht die Londoner Revue, das Urmusical von 1826 ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Heinz W. Koch

Vergriffen