Vorgeführt

Weill: Die Dreigroschenoper Stuttgart / Schauspiel

Unter den Regisseuren der mittleren Generation ist Sebastian Baumgarten der heftigste Dekonstruktivist. Er bricht die überlieferten Texte – ob Schauspiel oder Oper – mit Brachialgewalt auf und holt sie ins Heute. Sein umstrittener, in einer Biogasanlage spielender Bayreuther «Tannhäuser» sorgte im Festspieljahr 2011 für nachhaltige Erregung. Jüngst hat er am Hamburger Schauspielhaus mit der «Ballade vom Fliegenden Holländer» das Stück gleich ganz verabschiedet und eine aus Wagners Anregern und Vorlagen gemixte Collage, mit Hauschkas fetziger Musik, auf die Bühne gestellt.



Wer mit diesen Erwartungen ins Stuttgarter Schauspielhaus kam, wo Baumgarten jetzt mit der «Dreigroschenoper» (Premiere am 12. Juni 2014) ein längst zum kulinarischen Kultobjekt entschärftes Erfolgsstück der Roaring Twenties herausbrachte, sah sich aufs Erste enttäuscht. Baumgarten hat in die Dramaturgie des Originals kaum eingegriffen, von Weills Musiknummern nur den ­«Salomo-Song» gestrichen. Brechts Dialoge sind allerdings kräftig gekürzt, zeitgemäß (nicht immer zu ihrem Vorteil) geliftet und mit lokalen Anspielungen aufgepeppt. So wird das Ganze in Thilo Reuthers bewusst hässlicher, scheinbar aufs Geratewohl ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert