Ungebärdig, schroff, existenziell

Beethoven: Fidelio Zürich / Opernhaus

Erst die banale Wahrscheinlichkeit und dann – neuer Anlauf – die Utopie, das gehoben-idealistische «Schön wär’s». «Fidelio» hat in Zürich einen dramatisch hereinplatzenden Vorspann. «Er sterbe», faucht Don Pizarro im Quartett des zweiten Akts. Im Handgemenge ein Schuss. Leonore ist tot. Wie angegossen der Sprung ins letzte Drittel der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. Mehr Sinfonik bekommt der Beethoven-Freak an diesem Abend nicht. Folgt die Oper, wie sie im Buche steht. Das heißt, nicht ganz. Den vielen Werkverbesserungs-Varianten hat Andreas Homoki eine weitere hinzugefügt.

Die Dialoge sind komplett gestrichen. Da müssen wir erheblich mitdenken. Dennoch, eine Korrektur, die auf beinahe schon verblüffende Weise verfängt. Wenn der Gefängnis-Gouverneur ein zweites Mal «Er sterbe» zischt, überlebt das «hohe Paar» partiturgemäß. Visionen kennen kein böses Ende.

Homoki und sein Bildpartner Henrik Ahr muten uns noch mehr zu. Ein grauer Bühnenkarton mit auf- und niederfahrender Rückwand, das ist alles – außer der unumgänglichen Pistole kein Requisit, kein Ambiente, sondern die totale Ortlosigkeit. Die Menschen in diesem leeren Raum sind auf sich gestellt. Wie sie alle Handlung, alle Wendemarken ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Heinz W. Koch