Feier mit Atomrakete

Bremen, Tschaikowsky: Eugen Onegin

Tatjana Gürbaca hat ihren Puschkin gut gelesen. Im fünften Kapitel des Versromans «Eugen Onegin» erlebt Heldin Tatjana einen Alptraum, in dem sie Onegin inmitten von grässlichen Monstren und Ungeheuern sieht. Und diesen Traum transponiert die Regisseurin in ihre Bremer Inszenierung der Tschaikowsky-Oper, lässt ihn statt der Briefszene spielen. Eine verblüffende Idee, mit der – bei einer gewissen Textvernachlässigung zwar – die Emotionen der Musik genau abgedeckt werden.


Auch sonst hat Tatjana Gürbaca das Stück gründlich umgekrempelt, teils in psychologischer Feinarbeit, teils aber auch, indem sie mit dem groben politischen Klotz eins draufsetzte. Etwa, wenn der Chor der Landleute im ersten Akt zu einer kleinen Palastrevolution der aufsässigen Bauern gegen ihre Herrschaft umfunktioniert wird oder – weit reichender – die Ballmusik im dritten Akt die kommunistische Machtfeier anlässlich einer neu konstruierten Atomrakete illustriert. Gegen solche veräußerlichten, zur Stimmungsmalerei der «Lyrischen Szenen» konträren Momente sind dann wieder so eindringliche gesetzt wie das Duell, bei dem Lenski im letzten Moment die Pistole wegwirft, dem Freund in die Arme stürzt und dabei nur ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Gerhart Asche

Vergriffen