Traum(a)krieg

Mozart: «Idomeneo», Frankfurt / Oper

Wie mit dem Numinosen umgehen, mit dem scheinbar nur von einem deus ex machina zu ­lösenden, mit Menschenkräften unentwirrbaren Schicksalsknoten? Warum diesen eigentlich nicht mehr kommunizierbaren Plot nicht als posttraumatische Fantasie eines lädierten Kriegsheimkehrers zeigen? Die Kunst besteht darin, das so unaufdringlich und mehrdeutig zu tun, dass die Größe einer Begegnung mit dem Fatum nicht zur traurigen Banalität eines medizinischen Falles schrumpft.

Der Bühnenerzähler Jan Philipp Gloger hat aus seinem überfrachteten, von Bildeinfällen gepeitschten Bayreuther «Holländer» gelernt. Drei Jahreszeiten später, beim Frankfurter «Idomeneo», wirkt seine Regie klar, konzentriert und dadurch ungleich stärker. Er hat Krieg als Hauptelement der Handlung herausgearbeitet, Mozarts motivisch und stilistisch heterogene Seria aus ihrem ­archaischen Rahmen gelöst und in eine technologisch aufgerüstete, militaristisch und manipulativ aktualisierte Gegenwart transferiert. Stumme Kämpfer durchschleichen die Aufführung, bedrängen die Protagonisten, lenken sie wie Marionetten.

Den lapidaren Habitus des Ganzen stiftet vor allem Franziska Bornkamms Bühnenbild: ein Raum, der auf eine kahle, helle ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Hans-Klaus Jungheinrich