Terminator 4

Budapest, Strauss: Elektra

Die Badenutten in ihren weißen Frotteetüchern könnten den Abend genießen, doch die Störung ist eingeplant. «Wo bleibt Elektra? Ist doch ihre Stunde...» Vorsichtig spähen sie eine gekachelte Wand hinunter, in ein trocken gelegtes, mit Blumenerde gefülltes Be­cken. Dort tut sich zunächst gar nichts. Erst später hört man eine Stimme nach Agamemnon rufen, den ermordeten Herrscher von Mykene. Dann tritt Elektra hervor hinter diesem Wall aus Säcken, im schwarzen Rüschenrock, eine dunkle Braut des Untergangs, und zieht ­einen kleinen Baum hinter sich her.

Den Baum der Atriden? Gepflanzt in jene Erde, in die Agamemnons Leiche eingebuddelt wurde?
Das Gekachelte, eine Badeanstalt («sie schlugen dich im Bade tot», singt Elektra), geht hier eher als modernes Wellnesscenter durch. Agamemnons Blut wurde längst abgewaschen, doch es scheint noch immer nach Badreinigungsmitteln zu riechen. Später kommt Orest, merkwürdig fremd, roboterhaft starr – bis auf momentane Wallungen von Wälsungenblut gegenüber seinen Schwestern. Am Ende exekutiert er beide ungerührt mit der MP und erinnert an Arnold Schwarzeneggers Terminator. Das mag angesichts des Beckett-haften ­Finales von Strauss’ «Elektra» allzu ...

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Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhard Persché

Vergriffen