Banken, Börsen, Bühnen

Berlin, Staatsoper unter den Linden, Strauß: Die Fledermaus

Christian Pades Neuinszenierung an der Staatsoper ist die vierte Berlin-Potsdamer «Fledermaus» in drei Jahren. Eine Liebesheirat scheint es nicht gewesen zu sein. Eher eine Geschäftsbeziehung. Bühne und Orchester leben aneinander vorbei, ohne Notiz von
einander zu nehmen. Pade inszeniert Michel Houellebecq, Zubin Mehta dirigiert Hans Moser.
Regie-Idee war die seit 1968 von jedem, der sich mit dem Stück beschäftigte, gemachte Entdeckung, dass die «Fledermaus» im Jahr des Wiener Börsenkrachs entstand.

Also lässt Pade den ersten Akt (mit neuen Dialogen von ihm und Oliver Binder) in einem Designer-Loft mit Mapplethorpe-Kunst spielen. Im zweiten Akt suchen gestresste Anleger und Anlageberater auf Swinger-Partys im Techno-Bunker (nennen wir ihn Berghain) Vergessen und lassen sich von Love-Paradern Verruchtes vortanzen. Leider hängt Strauß’ «Accelerationen»-Walzer den Techno-Kids – wen wundert’s? – wie Blei an den Füßen. Börsenkurse flimmern über das LCD-Band – man ist ja aufgeklärt-zynisch. Statt Champagner zu saufen, wird die Droge Falschgeld geschmissen. Und während die Scheine bündelweise über dem Müll-Container mit der Aufschrift HYPO in Flammen aufgehen, kommt einem der sicher nicht ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Boris Kehrmann

Vergriffen