Röhrentanz ohne Ballett

Rossini: Guillaume Tell München / Nationaltheater

Exakt 45 sind es. Heißt es. Und dass man Lust und Zeit hat, sie zu zählen, ist symptomatisch. Ein lautloses Spektakel. Riesige grau-metallische Röhren, die in Gruppen auf- und niederfahren, sich neigen bis zur Horizontalen, Blicke freigeben und wieder verstellen, das ist das Meisterstück der Schnürboden-Verwalter im Münchner Nationaltheater und von Bühnenbildner Florian Lösche. Stilisierter Wald oder Säulenhalle, auf jeden Fall ein bedrohliches Irgendetwas soll das sein.

Doch wie das so ist beim Coup, wenn er zu oft bemüht wird: Die Wirkung verpufft, spätestens nach 30, 40 Minuten dieser Festspiel-Premiere von Rossinis «Guillaume Tell». Der 30-jährige Regisseur Antú Romero Nunes, für seine Schauspielarbeiten zu Recht gehypt, hat sich da selbst ein Bein gestellt. Was ihm im virtuosen Röhrentanz bleibt, ist oft nicht mehr als Rampentheater. Die (hervorragenden) Sänger werden’s ihm gedankt haben.

Dabei hat Nunes keine üble Grundthese. Den Freiheitskampf der Schweizer gegen die Österreicher münzt er um zum Aufstand der Spießbürger gegen ein faschistisches Regime. Das ist nicht nur politisch, sondern auch satirisch. Die Genre-Szenen mit Ringel-Pullunder und Blümchenkleid sind genauso ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel