Eine Gardine macht noch keinen Brecht

Verdi: Rigoletto München / Staatsoper

Eine Boulevardzeitung fühlte sich gleich zu einer Umfrage provoziert: Ob München lieber den alten Rigoletto wiederhaben wolle? Jene Version, mit der Doris Dörrie im Jahre 2005 Verdi auf den Planeten der Affen schoss und dabei Regie-Totalschaden erlitt? Das Ergebnis ist (noch) nicht bekannt. Viel deutet jedoch darauf hin, dass die Bayerische Staatsoper nach der Regenzeit in der Traufe gelandet ist.

Dabei sind die Absichten des Ungars Árpád Schilling aller Ehren wert. Rigoletto als Generationenzwist, als Tragödie der Loslösung, als Tochterbefreiung à la Senta.

Dazu eine Reduktion auf wenige Zeichen. Ein abstrahierendes Theater, das nicht unbedingt eine lineare Geschichte erzählen will. Auf zwei fahrbaren Tribünenteilen sitzen Chor und Statisterie – eine bedrohliche, maskierte, die Weiblichkeit begaffende Masse, aus der sich Rigoletto und Duca lösen. Ein Vorhang trennt Öffentlichkeit von Zweisamkeit. Doch eine Gardine, so groß sie auch sein mag, macht noch keinen Brecht. Und je länger der Abend dauert, desto mehr wird offenkundig: Schilling, der Schauspiel-Experimentator, scheint bei der kleinen Form besser aufgehoben als im Nationaltheater.

Unschlüssig ist vieles, uneindeutig, nur ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel