Der Abend der Garanca

Wien, Staatsoper, Massenet: Werther

Das hätte gerade noch gefehlt. Ein «gewisser Goethe aus Frankfurt, seiner Hantierung nach Dr. Jurist, 23 Jahre alt, einziger Sohn eines reichen Vaters» habe sich bei einem Ball auf dem Lande an sein Mädchen heran­gemacht, schrieb Johann Christian Kestner 1772 aus Wetzlar einem Freund. «Ich konnte erst nachkommen und ritt dahin. Mein Mädchen fuhr also in einer anderen Gesellschaft hin. Der Dr. Goethe war mit ihm im Wagen und lernte Lottchen hier zuerst kennen.

» Doch dieses hatte Realitätssinn und zog die Solidität des Legationssekretärs Kestner der Schwärmerei des Gerichts­praktikanten Goethe vor. Also Streusand drauf.
Nicht für Goethe freilich. Dessen Trauerarbeit über die erfolglose Werbung mündete zwei Jahre später in die «Leiden des jungen Werthers», wobei er eigene Gefühle (zu Lottchen, aber auch zur blutjungen Maximiliane de la Roche) dem Schicksal des Juristenkollegen Karl Wilhelm Jerusalem verband, der sich aus unglücklicher Liebe 1772 erschossen hatte. Mit einer von Kestner geliehenen Reisepistole notabene. Massenet wiederum packte etwas mehr als ein Jahrhundert später die Geschichte nach Ansicht der Goetheaner in Zuckerwatte, wobei sein «Werther» von diesen nicht ganz so ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

Vergriffen