Eine Ära

Lübeck | Strauss: Elektra

Ein Psychodrama von großer Brisanz, ausgefochten von drei hochkarätigen Protagonistinnen – so bietet sich die neue Lübecker «Elektra» dar. Der Ort: ein Kellerraum im Hause Agamemnon, unwirtlich, karg möbliert (Ausstattung: Hartmut Schörghofer). Hierhin hat sich Elektra zurückgezogen und die Tür vermauert, für Chrysothemis und Klytämnestra erreichbar nur durch eine riskante Kletterpartie, herunter von der Oberbühne. Als endlich aber Orest, der ersehnte Bruder, erscheint, fällt die Kellermauer unter den Beilschlägen Elektras und erlaubt den Weg ins Freie.

Regisseur Reto Nickler hat das alles minutiös arrangiert als psychologisches Kammerspiel, als einen Tanz auf Nervendrahtseilen, packend bis zur letzten Sekunde.

Ann-Marie Backlund ist eine Elektra, die von innen glüht. Sie braucht eine gewisse Zeit, bis sie ganz aus sich herausgeht. Dann aber ist ihre Intensität überwältigend. Ob im Dramatischen, wie in der Auseinandersetzung mit Klytämnestra, ob bei den innigen, lyrischen Melodiebögen der Wiedererkennensszene oder schließlich in der finalen Ekstase, die hier ohne den mänadenhaften Tanz auskommt, ganz aus der körperlichen und seelischen Erstarrtheit heraus die «Last des Glückes» ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhart Asche