Larifari-Herrscher

Verdi: Un ballo in maschera Dortmund / Theater

Auch informierte Historiker hätten wohl nicht mit dem Interesse gerechnet, das der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren in Deutschland – wo das mahnende Gedenken an den Zweiten eine viel größere Rolle spielt – bei Medien und Publikum auslöste: Die alten und neuen Bücher zum Thema stapeln sich, Fernsehreihen, Ausstellungen, ja selbst Comics pointieren die ­radikalen sozialen und künstlerischen Umwälzungen, die der Krieg mit sich brachte.

Nur das Musik­theater steht außen vor – sieht man ab von Nebenwerken wie Walter Kollos Scharfmacher-Operette «Immer feste druff!» oder den Einakter «Christnacht 1914» vom ältlichen Engelbert Humperdinck. Doch wofür wurde die interpretierende ­Regie erfunden, wenn nicht für die Anpassung des Repertoires an aktuelle Befindlichkeiten – oder an Termine.

In Kassel hat Michael Schulz Strauss’ «Frau ohne Schatten» mit rigoroser Konsequenz als Weltkriegsdrama (bis hin zum rauchenden Gas­angriff) inszeniert, wobei er immerhin auf die Entstehungszeit der Oper verweisen konnte. Diese historische Brücke verfängt im Falle von Giuseppe Verdis «Ballo in maschera» natürlich nicht. Und so waren die Parallelen, die die Regisseurin Katharina Thoma am ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen