Konstruierte Dramatik

Hannover, Hartmann: Simplicius Simplicissimus

«Wir lieben und ehren dich als den jüngeren, aber großen Bruder von Bruckner und Mahler», rief der junge Henze dem früh Verstorbenen 1963 liebevoll-ironisch nach. Karl Amadeus Hartmann, in bitterer «innerer Emigration» in Nazi-Deutschland verblieben, war nach Kriegsende ein nicht wegzudenkender Teil des jungen bundesdeutschen Musiklebens – als Lehrer, als Freund, als Begründer der legendären «Musica Viva» in München.

Die zahlreichen Schwarzweißfotos der Ausstellung im Foyer der Staatsoper Hannover zeigen es: Der späte Hartmann kannte sie alle, die jungen Avantgardisten der Nachkriegszeit. Ob er sie alle liebte, ist zu bezweifeln: «Ich will keine leidenschaftslose Gehirn­arbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage» – Hartmanns kompositiorisches Credo steht als Motto auch über der Ausstellung. Doch in jenem Klima der frühen Fünfziger, in dem der «leidenschaftslose» Serialismus gedeihen konnte, war Hartmann mit seinem expressiven, bekenntnishaften symphonischen Stil bereits altmodisch.
Dabei steht seine Oper «Simplicius Simplicissimus» von 1933 dafür ein, wie schnell sich das expressionis­tische «O-Mensch»-Pathos abnutzt, wie wenig griffig die herausgeschriene ...

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Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Matthias Nöther

Vergriffen