Killerspiel

Gent, Wagner: Siegfried

Der «Ring»-Zyklus der Vlaamse Opera geht auf die Zielgerade zu. Und im Verlauf der dritten Etappe, im «Siegfried», ist nun deutlich geworden, dass Wagners Götter- und Menschensaga hier ganz im Bann der ­Cyber-Ära steht. Zur Erinnerung: Das «Rheingold» spielt in ­einer Server-Zentrale, der Schatz selbst ist ein Superchip. Wotan leitet eine Computerfirma, die wie Bill ­Gates die virtuelle Welt beherrscht. Auf der Verlierer­seite finden sich die Wälsungen, sie fristen – wie andere Ausgestoßene – ihr Dasein in einer U-Bahn-Röhre.

Oben und unten sind klar getrennt, wie in Wagners Zeiten.
Auch Siegfried gehört zu den Opfern dieser gnaden­losen, indifferenten Profitgesellschaft. Mime, sein liebloser Ziehvater, handelt mit gebrauchten, vermutlich gestohlenen PC-Teilen. Siegfried schlägt die Zeit in Chat­rooms tot, lernt dort die Techniken der Gewaltanwendung kennen, verliert nach und nach den Sinn für die Wirklichkeit. Mord und Totschlag sind für ihn ganz normal. Einmal richtet er den Lauf seiner Kalaschnikov auf eine Webcam – eine Drohgebärde, die sich auf zahlreichen Bühnenmonitoren vervielfacht. Auch auf Mimes Schirm taucht sie auf – und erschreckt ihn zu Tode. Es ist, als ob der junge ...

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Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Willem Bruls

Vergriffen