Jubel, Trubel, Eitelkeit

Berlioz: Benvenuto Cellini London / English National Opera

Ein Leben wie eine Stichflamme, ein Knall. Ein Vulkanausbruch. Goethe war fasziniert von der Autobiografie des Florentiner Goldschmieds und Bildhauers Benvenuto Cellini (1500-1571), von der eitlen Geste des autokratischen Künstlers, der eine Ausnahmeposition in der Gesellschaft beanspruchte, obwohl er als Mörder gegen deren Grundlagen verstieß. Denn nicht Gnade forderte er beispielsweise vom Papst, sondern das Recht zumindest ­eines Strafaufschubs, um der Welt ein «Werk für die Ewigkeit» zu schenken.

Und der Oberhirte ­gewährt ihm dies wohl in der Erkenntnis, dass vor Gott zwar alle Menschen gleich, einige aber eben gleicher seien. Und nicht zuletzt, weil er die fragliche Statue – Perseus mit dem Haupt der Medusa – seiner Sammlung einzuverleiben hoffte.

Dies ist denn auch das Finale von Hector Berlioz’ Schmerzenskind «Benvenuto Cellini», einer Oper, die es nach ihrer Pariser Uraufführung 1838 und einer von Franz Liszt bevormundeten Produktion 1852 in Weimar lange Zeit nicht leicht hatte, sich im Bewusstsein der Aficionados festzusetzen. Wohl auch, weil das Werk bei aller Genialität der Invention und des Orchestersatzes formal etwas brüchig erscheint. Doch in London war die Oper in ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché