Keine Hoffnung, nirgends

Basel, Janácek: Aus einem Totenhaus

Hinterm Eisernen Vorhang die Arbeitsbühne, grau in grau, Dekor gleich null. Einige spielen Fußball. Ein Autist setzt blickleer zögernd Schritt vor Schritt. Plötzlich rennt er los, immer im Kreis, scheint die Wellblechwand hoch zu wollen, springt gegen sie, bleibt liegen. Ein anderer wäscht sich im Wasser der großen Pfütze in der Mitte, immer wieder. Ge- und Beschädigte, mit der Zeit verrückt geworden.

Der Sträflingspulk sammelt sich allmählich unter dem bühnenbreiten Doppeldecker, der sich am Ende – Ersatz für den verletzten und aufgepäppelten Adler des Librettos – in die Lüfte erhebt, dieweil der politische Gefangene nicht entlassen, sondern kaltblütig abgeknallt wird. Auch dieses Minimal-Happy-End kann es beim Regisseur Calixto Bieito nicht geben. Leos Janáceks «Aus einem Totenhaus» wird in Basel der letzte Hoffnungsschimmer genommen – in einer insgesamt starken Aufführung, die, wie nicht anders zu erwarten, nichts und niemanden schont.

Die Chorklischees des Kollektivauftritts, der etwas planlose Aktionismus mit kaum mehr verhohlenem Blick zum Dirigentenpult sind bald passé. Der Ernst der Situation beginnt die Optik zu bestimmen: die Beklemmung, der Schock, die Erschütterung ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch

Vergriffen