Im Niemandsland der Abstraktion

München, Verdi: Nabucco

In Verdis «Nabucco» spielt das Volk die Hauptrolle, und Münchens Staatsopernchor bot eine überragende Leis­tung. Höhepunkt war der berühmte Gefangenenchor: eine herzergreifend subtile, warm und weich gesungene Interpretation. Hinter Maschendraht erinnerten die Choristen auch an die vielleicht ­erste Großtat des Regietheaters an der Bayerischen Staatsoper: Herbert Wernickes Inszenierung von Händels «Judas Macca­bäus» im Jahr 1980. Dass ­einem in dieser Szene Wernickes Bild von auf die Deportation wartenden Juden einfiel, war wohl Zufall.

Denn Yannis Kokkos‘ Regie erwies sich weder als politisch noch als konkret-gegenwärtig. Abstrakt, überzeitlich wollte der Grieche die Geschichte der unterdrückten Hebräer und des größenwahnsinnigen Babylonier-Königs Nabucco erzählen. Dafür schuf er ein Bühnenbild aus perspektivisch verkürzten, horizontal und vertikal verschiebbaren, von innen leuchtenden Kästen, in denen man ein Dutzend anderer Opern spielen könnte. Licht-Designer Michael Bauer tauchte diese Kästen in Weiß, Rot und Gold, er war der eigentliche «Star» des Abends. Die Kostüme – schwarzer Anzug und Mantel, Leder, Stiefel, goldschimmernde Hemden – hatten den Charme einer beliebig ...

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Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Klaus Kalchschmid

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