Im Griff der Triebe

Britten: Ein Sommernachtstraum Berlin / Komische Oper

«Der hat ja sein Kostüm falschrum an, der Schwanz muss doch nach hinten», flüstert einer zwei Sitze weiter. Pause. Dann, leise: «Oh!». Zettels «Esels»-Kostüm gehört nämlich so. Der Mann: ein Tier. Überaus haarig. Und überaus großzügig ausgestattet. Mit seinem grotesken Gemächt lassen sich allerhand Späße treiben – so nimmt Titania eine Flöte zur Hand und lässt es tanzen wie eine Schlange.

Keine Frage, Shakespeare hatte seine Freude an obszönen Späßchen, eine farcenhafte Deutung geht schon in Ordnung.

Trotzdem: Zehrt Shakespeares Witz nicht von Doppeldeutigkeit? Der Riesenphallus ist schlicht zu explizit. Erkannt, benannt, abgehakt. Auch an anderer Stelle gerät dem lettischen Regisseur Viestur Kairish die Inszenierung zu demonstrativ. Da wachsen den Sterblichen, die, fest im Griff ihrer Triebe, liebeswirr durch eine Art hautüberzogene Felslandschaft taumeln, frische grüne Zweige – Brustwarzenverlängerung für die Dame, eine beblätterte Erektion für den Herren. Und weil sich alle wie Kindsköpfe aufführen, ist die Bühne voller Teddybären, die gekuschelt, aber auch zerrupft werden. Ein wahres Dickicht psychosexueller Symbole.

Faszinierend: der spielerische Umgang mit der Zeit. Lysander, ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff