Hochzeit mit einer Leiche

Wagner: Der fliegende Holländer Bremen / Theater am Goetheplatz

Während der Ouvertüre laufen Projektionen über den Vorhang: Plakate im Stil patriotischer (U. S.-) Armeepropaganda aus dem Ersten Weltkrieg. Schwarze Hände an entsetzter Blondine. Strammer weißer Matrose reicht erfreuter Blondine eine helfende Hand. U-Boote, Seeschlachten. Dann die sinnfällige Tunnelkonstruktion für den ersten Aufzug: Gerippe, Schiffsbauch, Höllenschlund, «Das Boot» lässt grüßen. Ein Panzer im Hintergrund – Daland war nicht zum Vergnügen am «Mohrenstrand» im Süden, von dem der Steuermann trällert.



Als sich der Holländer mit seinen Mannen ­hereinwälzt – aufgeblähte Wasserleichen in Fatsuits – zeichnet sich eine zweite Ebene in Sebastian Baumgartens Inszenierung ab, die nach dem «Freischütz» jetzt in Bremen seine Auseinandersetzung mit der deutschen Romantik fortsetzt: «Der fliegende Holländer» ist eben auch eine Grusel­geschichte. Von einem, der nicht sterben kann, ­einem Untoten – einem Zombie. Zwar trägt der bleiche Titelheld ein NS-Reichsadler-Tattoo, ein ­anderer eine preußische Pickelhaube, so dass, wer mag, sich durchaus Gedanken machen kann über Militarismus im Allgemeinen und den deutschen im Besonderen, über Treue und Opferbereitschaft, Gott und Teufel (ein ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff