Ganz nah dran

Nono: Intolleranza 1960 Augsburg / Theater

Theater darf nicht schweigen, sondern muss schreien, sagt dieses Stück. Und so gellt es über den Vorplatz, lange bevor der erste Ton Luigi Nonos zu hören ist. «Glaube! Liebe! Hoffnung!» Eine inszenierte Demo einer Handvoll Jugendlicher. Ein Taxi steht vor der Freitreppe. Wer will und sechs Euro zahlt, kann sich hineinsetzen und wird eine halbe Stunde lang mit irakischen und deutschen Biografien konfrontiert. Am Tag nach der Premiere wird noch zu einer Art Flashmob geladen, zum «performativen Theaterstück».

«Intolleranza 1960», das ist der Ausnahme­zustand für jedes Haus.

In Augsburg ist es noch mehr. Eine ganze Stadt soll entzündet werden. Ein Theater wächst über sich hinaus – im Doppelsinn: mit einer starken Produktion und mit vielen Aktionen, an denen Off-Theatergruppen, Video- und Bildende Künstler beteiligt sind. Manches streift die Grenze zum bloßen Happening, aber egal.

Ein Prestigeprojekt. Doch mehr noch als auf überregionale Wirkung wird hier aufs eigene Umfeld geschielt. Und dies in einem Bundesland, das gerade (und viel stärker noch als die gesamte Republik) ein behagliches «Weiter so» an die Politik signalisiert hat. Die von Ludger Engels inszenierte Aufführung zieht auch ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel