Fragezeichen

Strauss: Friedenstag Kaiserslautern / Pfalztheater

«Friedenstag» ist die am wenigsten gespielte und zweifellos heikelste Oper von Richard Strauss. Uraufgeführt 1938, wurde sie sofort von der NS-Propaganda vereinnahmt, was angesichts des Sujets problemlos gelang.

Der Kadavergehorsam eines Kommandanten, der seine belagerte Stadt aus Treue zum Kaiser lieber in die Luft sprengt, als sie dem Feind zu überlassen, dann aber auch eine lange Friedensapotheose: Beides passte perfekt ins Konzept des Tausendjährigen Reiches, das sich bekanntlich ­betont friedlich gab, bevor es den Krieg auslöste – und dafür die Oper genauso nutzte wie die Olympischen Spiele. Andererseits stammt der Entwurf zum Libretto von Stefan Zweig, der als jüdischer Pazifist nach «Die schweigsame Frau» nicht mehr mit Strauss zusammenarbeiten konnte. Und ein so hellhöriger Regisseur wie Peter Konwitschny, der «Friedenstag» in Dresden inszenierte, glaubte an das Stück und setzte auf die Nähe zum Jubel-Finale des «Fidelio»: der Frieden als Wunder. In der Wissenschaft gehen die Einschätzungen auseinander. Während noch Carl Dahlhaus das hämmern­de C-Dur des Finales als «Fassade ohne Risse und Brüche» hörte und das «Wunder» des Friedens als anrüchig empfand, zieht sein Schüler Michael Heinemann eine Parallele zu Hindemiths «Mathis der Maler»: Gesucht werde «nach der Möglichkeit der Gestaltung von Kunst zu Zeiten der Diktatur». Strauss’ Antwort sei überzeitlich intendiert gewesen, aber natürlich aktuell kontaminierbar. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stephan Mösch