Fauler Zahn

Eötvös: Der goldene Drache Frankfurt / Bockenheimer Depot

Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt. Aneinandergebunden, schweben diese bunten Tüten als merkwürdiges Fetzenwesen im Bühnenhorizont, als sei der hexenartige «Hausgeist» aus Max Ernsts Gemälde entflogen.

Erst bei genauerem Hinsehen lässt sich die Kontur eines Drachenkopfs identifizieren.

Ein bizarres memento mori aus unserem Wohlstandsmüll, das Hermann Feuchter als vielsagendes Bühnenbild zur Uraufführung von Peter Eötvös’ neuestem Musiktheater «Der goldene Drache» ins Bockenheimer Depot bauen ließ. Entstanden als Koproduktion zwischen der Frankfurter Oper und dem Ensemble Modern, basiert Eötvös’ nunmehr elftes Bühnenwerk auf dem gleichnamigen Erfolgstheaterstück von Roland Schimmelpfennig, einer unzweideutigen Kritik an der Immigrationspolitik der reichen westlichen Industriestaaten. Ein chinesischer Junge, auf der Suche nach seiner Schwester in einem europäischen ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Reinhard Kager