Einmal Pfarrer, immer Pfarrer

Verdi: Stiffelio Mönchengladbach / Theater

Ehebruch, dem die Legalisierung winkt, macht keinen Spaß mehr. Dies ist, kurz gesagt, eine der Botschaften dieses Verdi-Abends. Eine weitere: Der Komponist besaß ein glänzendes Gespür dafür, welche seiner Opern beim Publikum ankamen, welche nicht.

Seinem «Stiffelio» traute er wenig zu. Die Handlung spielt in einem protestantischen deutschen Pfarrhaus, und Sünden in den Mauern der Geistlichkeit waren ans italienische Publikum nicht vermittelbar. So nutzte Verdi «Stiffelio» als Versuchslabor, aus dem keine einzige ohrwurm-taugliche Melodie herausdringt.

Aber es herrscht eine Kühnheit, die der Komponist für viele seiner späteren Opern nutzen sollte.

In Mönchengladbach gibt es nun die Möglichkeit, diesen Verdi-Sonderling zu bestaunen. Man spürt förmlich, wie Verdi mit dem Orchester experimentiert, wenn er plötzlich alle dunklen Farben der Streicher zu einem riesigen Chor zusammenzieht, wenn er Flöten wie aus freiem Fall in den Klang schießen lässt. Überhaupt herrscht viel Lust an ungewöhnlichen Manövern: Einmal soll eine Arie von höchstem Schmerz künden, aber die Musik klingt so lebensfroh, als lasse der Sänger in bester Laune Badewasser ein. Anderswo ist die Musik von einer giftig ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Wolfram Goertz