Modisch, verdinglicht, entzaubert

Delius: A Village Romeo and Juliet Frankfurt / Opernhaus

Ein großer Tag für Bühnenbildner Christian Schmidt. So raffiniert waren die beiden Drehbühnen mit der seit dem Theaterbrand modernisierten Technik noch nie gehandhabt worden. Das innere und das äußere Segment waren dermaßen minuziös ­ineinander verzahnt, dass, mit dem Eindruck gegenläufiger Bewegungen, filmisch fließende Bilder entstanden. Inszenierte «Kamerablicke» also auf viel klinisches Weiß, wenig Realismus und – im suggerierten Interieur-Charakter – noch weniger Natur.

Zwar das angedeutete Innere einer durch bäuerlichen Zwist derangierten Häuslichkeit, aber komplementär dessen zwillingshaftes Abbild als strahlender Imaginationsraum. Dazwischen ein enges, hohes (und geradezu provokativ unschweizerisches) Treppenhaus; ausgerechnet in diesem vollzog sich der Hochzeitszug der Traumszene, das geniale Herzstück der Oper, dem hier die in der Musik so unverkennbare Dimension des Trauermarsches fast fehlte. Die atemberaubende Kunstfertigkeit der Bilder traf sich kaum mit der besonderen Aura des Stücks, dessen «pantheistische»  Grundstimmung der zuständige Dramaturg Norbert Abels in einem Programmheftessay so eindringlich beschwört.

Auf anders «philosophische» Weise erzählte die ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Hans-Klaus Jungheinrich