Zum Verzweifeln

Wuppertal | Beethoven: Fidelio

Diese Inszenierung ist ein Rätsel. Da gibt es im Programmheft eine Serie von Fotos, die die Solisten des Abends bei einem Besuch im Wuppertaler Polizeipräsidium und im Gefängnis zeigen: Die Menschen vereinzelt, verloren vor nackten Betonwänden, in Zellenfluren und Verhörräumen; und wiewohl die Sänger als Privatpersonen auftreten, sind doch Personen und Stationen der Handlung erkennbar.

Diese Bilder, ihr kaltes Licht, ihre ausgebleichten Farben, die Isolation der Menschen –  das alles verströmt eine bedrückende Atmosphäre der Gefangenschaft, einer an Hoffnungslosigkeit grenzenden Melancholie. Die Fotos erzeugen jene Oszillation zwischen dem Stück und der Gegenwart, die man von einer guten Inszenierung erwarten würde. Umso verblüffender (und enttäuschender), dass auf der Bühne nichts davon zu sehen ist.
Der neue Intendant Johannes Weigand hat das Stück im historischen Kostüm vor gequaderten Gefängnismauern und in einem dunklen Nicht-Ort mit Stufen und Säulen als Kerker (Ausstattung: Markus Pysall) schlicht und ergreifend durchgestellt. Es herrscht das längst überwunden geglaubte Als-ob-Theater verstaubtester Machart: Marzelline tut so, als ob sie mit ihrem Biedermeier-Bügeleisen ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 58
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen