Ost und West

Zum Tod des Dirigenten Otmar Suitner

Noch beim letzten Interview, geführt wenige Monate vor seinem Tod in einem Berliner Luxusaltersheim, sprühte dem hinfällig gewordenen, in einem Lehnsessel trotzig thronenden Greis der Schalk aus den Augen. Wenn man ihn fragte, ob er vielleicht doch lieber Sinfonien als Opern dirigiert habe, gab er zur Antwort: «Nein, denn in der Oper gibt’s die Pause. Jedes Mal gehen Sie ab und können sich im Künstlerzimmer einen Moment ausruhen. Dagegen eine Achte von Bruckner! Die hört nicht mehr auf.»

Otmar Suitner überlebte den Ruhm seiner großen Jahre um fast zwei Jahrzehnte.

1992 schützte er ein leichtes Zittern beim Dirigieren vor, um sich als Chefdirigent von der Berliner Staatsoper zurückzuziehen. (Den Tremor hatte er schon länger.) Sein Sohn Igor Heitzmann, der ihm mit dem Film «Nach der Musik» ein berührendes Denkmal setzte, hat später offenbart: Sein Vater befürchtete, für die Mitwirkung am Unrechtsregime der DDR moralisch mitverantwortlich gemacht zu werden. Die Enttäuschung, dass die Staatskapelle danach seine 26-jährige Ära nahezu verschwieg, bestätigte dies indirekt.

Dabei war Suitner, der 1964 von der Staatskapelle Dresden nach Berlin wechselte, ein ingeniös zarter Klangzauberer. ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
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