«Shakespeare war Entertainer!»

Barrie Kosky über seine polnisch-ungarisch-russischen Wurzeln, Identität in der Diaspora, deutsche Schubladen, den Wert guter Unterhaltung und die Aufgaben eines Künstlerintendanten

Herr Kosky, wo haben Sie denn Ihren Hund gelassen? Der ist doch eigentlich immer dabei, wenn Sie nicht gerade in einer Vorstellung sitzen oder eine Premiere haben?
In einer Hundepension in Amsterdam. Ich probe zur Zeit an der Nederlandse Opera Glucks «Armide».

Wie bitte? In einer Pension?
Ja, natürlich. Die gibt es in jeder Großstadt. Wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, kommt Blumfeld mit. Aber manchmal muss ich fliegen, da geht das dann nicht.



Haben Sie den Namen bei Kafka gefunden? «Blumfeld, ein älterer Jung­geselle» – das ist der Titel einer Kurzgeschichte. Es gab auch mal eine deutsche Indie-Pop-Band, die so hieß...
Nein, der Name ist tatsächlich von Kafka.

Wenn es irgend geht, nehmen Sie Blumfeld also mit ins Theater?
Ja. Er ist ein richtiger Theater-Hund. Als ich 2004 an der Komischen Oper Berlin Mozarts «Figaro» inszenierte, saß er schon im Parkett. Seitdem hat Blumfeld fast alle Produktionen von mir gesehen und gehört.

Ich wusste gar nicht, dass Hunde Zutritt zu Theatern haben.
Das ist eine wunderbare Qualität der deutschen Opernhäuser. Anderswo wäre das undenkbar. In Amsterdam zum Beispiel haben sie eine Ausnahme für mich gemacht. Ich habe gesagt, entweder kommen wir beide oder ...

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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Albrecht Thiemann