Operette, tödlich

Gelöst, transparent, würdevoll: Dan Ettinger dirigiert «Carmen» in Mannheim

Carmen» zum Einstand? Warum nicht, sagte sich Dan Ettinger und feierte als neuer GMD des Nationaltheaters Mannheim sogleich einen Triumph. Mit dem gebürtigen Israeli, der nach Kapellmeisterjahren an der Berliner Staatsoper im Begriff ist, zu einer Weltkarriere durchzustarten, haben die Mannheimer einen Glücksgriff getan. Schon lange hat das Orchester des Nationaltheaters nicht mehr so geschliffen und präzise, so entspannt und zugleich enthusiasmiert musiziert #wie an diesem Abend. Gleich das Vorspiel zum ersten Akt ließ ahnen, wohin die Reise geht.

Ettinger hat die versatzstückhaft montierten Teile – das bunte Treiben des eröffnenden allegro giocoso, Escamillos Torero-Lied und das Unheil ankündende Schicksalsmotiv – gestisch scharf voneinander abgehoben und doch zu einem theatralischen Ganzen zusammengeschmolzen. Schon hier waren die charakteristischen Merkmale hörbar, mit denen Bizets Partitur dem damals in ganz Europa dominierenden Wagnerismus den Kampf ansagte: durch Lockerheit, rhythmische Prägnanz und – in dem in Celli und Trompeten mit drohender Gebärde zu einem Klang, einem Ton amalgamierten Schicksalsmotiv – eine gnadenlose Realistik.
Ettinger ist ein genuiner Theatermusiker ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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