Oper spielen, um «normal» sein zu können

Ein Interview mit Hanna Munitz, Intendantin der Israeli Opera

Frau Munitz, «A Journey to the End of the Millennium», das von Ihnen initiierte Auftragswerk zum zwanzigjährigen Bestehen der ­Israeli Opera, bezieht seinen dramatischen Impetus aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Haltungen abend- und morgendländischer Juden, Ashkenasen und Sepharden, einem der grundlegenden Konflikte des Judentums.
Nicht nur der Konflikt, auch die Erinnerung an integrative Momente ist wesentlich. Die Handlung spielt ja um die erste Jahrtausendwende westlicher Zeitzählung.

Damals gab es in Nordafrika, im Maghreb, eine blühende ­jüdische Gemeinde, die mit den arabischen Muslimen in bestem Verhältnis lebte, geschäftlich und privat. Mit ihnen teilten die Sepharden jene wundervolle Poesie, die mit dem Namen «Goldenes Zeitalter Spaniens» verbunden ist.

Die Andeutung dieser künstlerisch so gran­diosen Tradition ist wohl auch ein Seitenhieb des aus einer sephardischen Familie stammenden Dichters und Librettisten A. B. Yehoshua auf die Überheblichkeit der Ashkenasen und einer abendländischen Kultur, die sich zu jener Zeit ja eher durch Striktheit, ja Engstirnigkeit auszeichnete.
Die kleinen jüdischen Gemeinden in Zentral­europa waren hinsichtlich ihrer Religiosität ...

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Opernwelt August 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché

Vergriffen
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