Oper als soziale Therapie

Zur Uraufführung von «A Journey to the End of the Millennium» in Tel Aviv ein Bericht von Gerhard Persché und Gespräche mit dem Leitungsteam der Israeli Opera

Als das Taxi sich dem Hotel nähert, werden wir von Poli­zisten gestoppt. No cars. Das Viertel um den architektonisch einzigartigen, weil von Häusern im Bauhaus-Stil eingekreisten Dizengoff Circle (Tel Aviv gilt als Welthauptstadt dieser architek­tonischen Schule) ist abgesperrt. Zum Glück nicht aus jenen Gründen, die bei CNN als «Breaking News» vermeldet worden wären. Vielmehr läuft ein Stra­ßenfest. Die dabei lautstark zelebrierte Musik, Muzak eher, hat keine Couleur locale. Rockpop dieser Art kann man auch in New York, ­Tokio, London, Berlin hören.

Es handelt sich um jenen kommerziell kreierten ­integrativen Globalisierungseffekt, der irrigerweise als «Multikultur» definiert wird, aber letztlich doch bloß bedeutet, dass man über­all seinen Bigmac bekommt.
Auf einer völlig anderen Ebene passiert die multikulturelle Integration, um die Israel sich bemüht und die auch Thema der im Mai an der Israeli Opera Tel Aviv uraufgeführten Oper «A Journey to the End of the Millennium» ist: die Suche nach einer gemeinsamen Basis, die kulturelle Unterschiede bei ge­gen­seitigem Respekt zu binden – nicht zu nivellieren! – und Vorurteile abzubauen vermag. Eine unermessliche Anstrengung, scheint es. ...

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Opernwelt August 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard Persché

Vergriffen
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