Oper als kultureller Brennpunkt

Monsieur Foccroulle, wenn Sie die dreizehn Jahre Ihrer Intendanz am Théâtre La Monnaie Revue passieren lassen – was war für Sie die wichtigste Erfahrung dieser Zeit?
Zweifellos die Uraufführung neuer Stü­cke. Die Entstehung eines Werks von der ersten Idee bis zur Bühnenreife zu begleiten, der Dialog mit Komponisten, Lib­rettisten und Regisseuren über etwas, das nie zuvor zu sehen und zu hören war, das ist schon ein faszinierender Prozess.

Manchmal dauerten die Geburtswehen drei oder vier Jahre, sie konnten sich aber auch – wie im Fall von Luca Fran­cesconis «Ballata» –  über zehn Jahre hinziehen. Wenn man dann noch spürt, dass das Publikum hinter einer solchen Öffnung des Repertoires steht, ist die Freude natürlich groß. Ich könnte ohne Mühe zehn an La Monnaie uraufgeführte zeitgenössische Produktionen nennen, die eine sehr positive Resonanz hatten. Es ist hier mittlerweile kein Prob­lem mehr, zwei Uraufführungen pro Saison anzubieten. Ich glaube, dass diese kontinuierliche Zusammenarbeit mit ­lebenden Komponis­ten und anderen Künstlern dem Haus eine neue Identität gegeben hat. Und ich bin fest davon überzeugt, dass eine solche Zusammenarbeit immense Chancen für die Zukunft der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Grille, schwindelfrei

Oje, wenn das der liebe Gott sehen würde: Eine solche Life Story, und das ausgerechnet an einem Ort wie der alt­ehrwürdigen Aldeburgh Church – er wür­de den Donner hinab zur Erde schleudern, auf dass die Menschen wieder einfache Diener in seinem Weinberg werden mögen. Aber was soll er machen, es ist zu spät. Ohne auch nur einen Funken Anstand zu besitzen, singt...

Bibbern, Beten und andere Seelentöne

Auf der Grundlage einer privaten Sammlung historischer Gesangsaufnahmen hat Hänss­ler CLASSIC jetzt eine neue Reihe unter dem simplen, aber zutreffenden Titel «Living Voices» gestartet. Auf den ersten Blick erscheint die Auswahl der Sänger nicht besonders interessant, handelt es sich doch fast durchweg um die ganz großen Namen, die auf CD auch anderswo schon...

Ende einer Schlittenfahrt

Seit den 1970er-Jahren sind Werk und Person Friedrich Hölderlins ein geheimer Fixpunkt der musikalischen Avantgarde. In dieses von Maderna bis Nono, von Rihm bis Holliger reichende Spektrum reiht sich auch der 1953 geborene Grazer Komponist Georg Friedrich Haas mit seiner 1996 für die Bregenzer Festspiele entstandenen Kammeroper «Nacht» ein, die jetzt in Frankfurt...