Onore e patria

Versuch über Rossini: René Jacobs dirigiert «Tancredi» im Theater an der Wien

Zweimal in seinem Leben soll Gioacchino Rossini dem Vernehmen nach geweint haben: einmal, als er Paganini spielen hörte, und dann, als ihm bei einer Bootsfahrt ein mit Piemonteser Trüffeln gefüllter Truthahn ins Wasser fiel. Se non è vero, è ben trovato. Dazu passt, dass Beethoven seinem italienischen Kollegen den Rat gab, doch bitteschön nur das komische Genre zu bedienen – ansonsten täte er seinem Schicksal Gewalt an. René Jacobs erinnert uns daran im Programmheft der Aufführung des melodramma eroico «Tancredi» (Venedig 1813) im Theater an der Wien.

Rossini soll über dieses Urteil sein Leben lang deprimiert gewesen sein.
Tragik passiert in «Tancredi» nicht auf markig heroische Art, wie sie Beethoven vielleicht vorschwebte. «Glauben Sie, ich hätte unter dieser Sonne, unter diesem Himmel den ‹Tristan› schreiben können?», fragte Giuseppe Verdi einmal. Rossini hätte das vermutlich ähnlich formuliert. «Tancredi» lässt uns einen Pfad entlangwandeln, auf dem uns die unterschiedlichsten Charaktere begegnen – Gute, Böse, Naive und Durchtriebene, Helden und Feiglinge – aber eben nicht in düsterem Nebel, sondern in mediterraner Helle, in der Dur-Tonarten dominieren. Der Komponist hat hier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Triumph und Tragik

Wer diese Stimme je gehört hat, wird sie nicht vergessen: das dunkel-glühende Timbre, das unaufdringliche und unforcierte Volumen, die Mischung aus Eleganz und Kraft. Worte müssen zwangsläufig dürr erscheinen, wenn es darum geht, ein solches Phänomen zu umschreiben. Vielleicht kann man so sagen: Alles was George London sang, und wie er sang, war charakteristisch....

Konkurrenz für den Platzhirsch

Es gibt in der Muppets Show den Gemüsechor und in Wien das nach jedem Auftritt seine Instrumente erneuernde Gemüseorchester, aber ein Gemüsehändler als Opernintendant, das ist neu. Warum nicht? In Italien waren die Impresari, die sich für je eine Spielzeit in die Opernhäuser einmieteten, als Geschäftsleute vor allem für das Drehen der Rouletteschüsseln...

«Bellißima»

Majos «Alessandro» wurde 1766 in Mannheim uraufgeführt und dort im Mai 2008 erstmals wieder gespielt (siehe OW 7/2008). Jetzt sind die überlieferten Musiknummern – die Rezitative sind verloren – in einer Studioproduktion mit Ensemble und Orchester des Mannheimer Nationaltheaters unter der zupackenden Leitung von Tito Ceccherini zu hören. Wie viele Seria-Opern des...