Ohrenoper

«Es gibt einen Ort in der Mitte des Erdkreises, zwischen Erde, Meer und Himmelszonen, die Grenzscheide der drei­geteilten Welt, von dort kann man alles, was irgendwo geschieht, sehen, sei es auch noch so weit entfernt, und jede Stimme dringt an das lauschende Ohr. Fama wohnt dort und hat sich an der höchsten Stelle ein Haus gebaut, ihm zahllose Eingänge und tausend Öffnungen verliehen und die Schwellen nicht mit Türen verschlossen. Tag und Nacht steht es offen, es ist ganz aus tönendem Erz, überall hallt es, wirft die Klänge zurück und wiederholt, was es hört.

» Ovids Erzählung vom «Haus der Fama» aus dem zwölften Buch der «Metamorphosen» hat den Komponisten Beat Furrer nach eigenem Bekunden schon immer fasziniert. Ein Haus aus Erz wird durch die hereinströmenden Klänge und Geräusche aus der Welt in Schwingungen versetzt – eine grandiose Vision, die förmlich nach Verwandlung in ein entsprechendes Musikwerk verlangt. Beat Furrer hat dieses Werk in Donaueschingen erstmals präsentiert, es wurde danach noch in Wien bei «Wien modern» aufgeführt, später wird noch Paris folgen.
Sieht so die Zukunft der Oper aus? Furrer nennt «Fama» vorsichtshalber ein «Hörtheater». Der Verweis auf Luigi ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Triumph des Ensembles

Mit einem beispiellosen Premieren-Marathon wurde die in den letzten Kriegstagen zerstörte Wiener Staatsoper am Ring vor ­einem halben Jahrhundert wiedereröffnet: Sieben Neuproduktionen in vier Wochen müssen das Ensemble und die Kollektive bis an den Rand der Leistungsfähigkeit gefordert haben. Doch von Erschöpfung keine Spur. Ein Funke der Begeisterung scheint alle...

Der Mann am Klavier

Ein Klotz mit sechsundsechzig CDs: «Michael Raucheisen. The Man at the Piano.» Wer war der Mann am Klavier? Darauf kann man am besten mit einer Anek­dote aus den Memoiren von Frida Leider antworten: «Über seine Berühmtheit als Konzertbegleiter kursierte in Berliner Künstlerkreisen folgender Scherz: ‹Liederabend Michael Raucheisen. Am Sopran: Sängerin X.›»
Raucheisen...

Stationendrama oder Traumspiel?

Vielleicht ist «La forza del destino» – obgleich nach dem spanischen Drama «Don Álvaro, o la fuerza del sino» von 1835 komponiert – Verdis radikalste Shakespeare-Oper: Einheit von Ort und Zeit sind aufgebrochen wie nie im Werk dieses immer wieder nach neuen Lösungen suchenden Komponisten. Dralle, burleske Massenszenen wechseln mit hohem tragischen Ton; inbrünstiges...