Ohne Sucht geht es nicht

Erst einen «vernünftigen» Beruf erlernen, dann für sich das Singen entdecken – so selten ist das gar nicht. Dass einer zunächst als Schauspieler Erfolg hat und dann zur Oper wechselt, schon eher. Im Fach des Heldenbaritons zählt Tomasz Konieczny inzwischen zu den Vielgefragten. Sich in hoheitsvoll abgeklärtem Gestus zurückzulehnen, kommt für den 44-Jährigen nicht in Frage: Seine Charakterstudien haben etwas Kraftvoll-Unberechenbares. Und wer ihn auf die Situation in seiner Heimat Polen anspricht, bekommt Klartext zu hören

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Herr Konieczny, früher waren Sie Bass, in Salzburg haben Sie vor einem Jahr die extrem hohe Bassbariton-Rolle des Jupiter gesungen. Wie kommt so etwas?
Abgesehen vom Stolzius in Zimmermanns «Soldaten» ist das tatsächlich die höchste Partie meiner Karriere. Franz Welser-Möst fragte mich vor drei, vier Jahren, ob ich mir «Die Liebe der Danae» vorstellen könnte. Damals war ich mit dem Mandryka beschäftigt. Den besetzt man ja gern mit einem leichteren Kavalierbariton, aber dann geht unter Umständen das Bäuerliche, Derbe, Rustikale verloren.

Und das erzielt man nur mit einer schwereren Stimme. Von der Tessitura war Jupiter irgendwie eine Konsequenz von Mandryka.

Wer ist schlimmer, Jupiter oder Don Giovanni?
Jupiter ist nicht schlimm. Wir verfolgen hier die Geschichte eines Mannes, der alt wird und an dem Danae nicht interessiert ist. Er sucht nach einer in jeder Hinsicht vollkommenen Beziehung, weil er nicht mehr nur auf Lust aus ist. Nun stellt sich aber heraus, dass diese echte, reine Liebe zwischen einem Gott und einer Menschenfrau nicht möglich ist. Jupiter erkennt am Ende, dass die Beziehung zwischen Danae und Midas diese Qualität hat, und daran reift er.

Und warum haben Sie nun ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Interview, Seite 74
von Markus Thiel

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