Ohne Kleider ins Schlaraffenland

Orffs «Astutuli» und «Die Bernauerin» bei Wergo auf DVD

Eine Oper ist diese «bairische Komödie», die 1953 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde, nicht, sondern ein Schauspiel mit sparsam eingesetzter Bühnenmusik. Allerdings ist die Art, wie Carl Orff in diesem Stück die Sprache einsetzt und mit der Bewegung in unmittelbare Beziehung bringt, durchaus musikalisch. Das rhythmische Sprechen der Schauspieler wird durch ein Schlagwerkinstrumentarium unterstützt.



«Astutuli» (was mit «Die Oberschlauen» zu übersetzen wäre) ist eine satirische Parabel, die auf «Das Wundertheater» des Cervantes zurückgeht und das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern variiert. Ein Gagler (Gaukler) kommt in einer nicht näher bezeichneten Zeit in eine nicht näher bezeichnete Stadt und führt die Bürger an der Nase herum, indem er ihnen die Vision eines «kokanischen» Landes vorgaukelt, in dem man ohne zu arbeiten zu Reichtum gelangen kann. Erst nimmt er ihnen die Kleider, schließlich auch das Geld ab. Die geprellten Bürger machen ihrem Unmut – einige Jahre vor Handke – in einer «Publikumsbeschimpfung» Luft. «Astutuli» ist ein Herzstück des «Bairischen Welttheaters» und bedient sich eines historisierenden, stilisierten Bayerischs.

Beim Orff-Festival in ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/CDs/DVDs, Seite 30
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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