Ohne dramatischen Fluss
Katharina Thalbach, so scheint es, hat an der Kölner Oper ein Regie-Abo. Doch wer nach ihrer aufmüpfig-gewitzten «Salome» mehr an bösen Rollenspielen oder agilem Polittheater erwartete, wurde enttäuscht: Die Uraufführung von Torsten Raschs Opernerstling «Rotter» über einen glitschigen Opportunisten war ein Flop auf allen Ebenen, Janáceks «Jenufa» blieb bis auf eine schöne Schluss-Apotheose szenisch durchwachsen. Der eherne Antikapitalismus-Klassiker «Mahagonny» soll in Thalbachs Lesart mehr nach ranzigem Brecht-Museum als nach Bordell geschmeckt haben.
Vielleicht hat ihr der Kölner Intendant Uwe Eric Laufenberg deshalb jetzt ein Meisterwerk an inhaltlicher Schärfe und dramaturgischer Genialität angeboten, bei dem eigentlich nichts passieren konnte: Verdis «Rigoletto».
Das aber darf man nun unfreiwillig wörtlich nehmen. Zumindest zwischen den Personen passiert über das gegenseitige Ansingen und die schon überwunden geglaubte Chargen-Mimik hinaus – nichts. Die Orgien beim Herzog mit Cancan-Ballett und (Achtung: Dekadenz!) herbeigerolltem Riesenpenis bleiben weit hinter den erotischen Vergnügungen heutiger Finanzpolitiker zurück. Die Hofschranzen wirken mit ihren Tiermasken nicht ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael Struck-Schloen
Der Kreis schließt sich. Was bislang an der logistischen Herausforderung, an den Probenbedingungen und am Geld scheiterte, soll im August auf einem stillgelegten Industriegelände in Birmingham endlich Wirklichkeit werden: die erste komplette Aufführung des «Mittwoch» aus Karlheinz Stockhausens siebenteiligem «Licht»-Zyklus. Mit der Vorbereitung des gigantischen...
Nach der 1999 veröffentlichten Keilberth-Aufnahme (München, live 1963) und der 1986 bzw. 1988 in zwei Teilen konzertant mitgeschnittenen Produktion unter Otmar Suitner liegt nun ein weiterer Live-Mitschnitt von Pfitzners «Palestrina» vor – aus der Oper Frankfurt.
Ein knappes Jahr nach der Premiere (Regie: Harry Kupfer, vgl. OW 8/2009) wurde im Juni 2010...
Für die Hölle gibt’s Szenenapplaus. Ein rot glühendes Fabrikglashaus mit gehörntem Direktor und diabolischer Belegschaft, die Neuzugänge im Zahnräderwerk einer Dampfmaschine entsorgt. Ein Wimmelbild, das die ganze Semperopernbühne füllt und offenbar ganz nach dem Geschmack des feinen Dresdner Premierenpublikums ist. Überhaupt kommt der aufwändig gepflegte...
