Offene Wunden
Plitsch – platsch – plitsch – platsch: Drei Akte lang ging das so. Wenn das Bayreuther Festspielhaus noch ein Tempel wäre, dann hätte Hermann Nitsch ihn im vergangenen Sommer entweiht – allein schon durch die Geräusche, die Farbe macht, wenn man sie eimerweise auf eine Leinwand schüttet, oder eher: wirft. Der Corona-Sommer machte es möglich, zu Wagners konzertant dargebotener «Walküre» veranstaltete Nitsch eine seiner Malaktionen in der ihm eigenen Farbmystik.
In Weiß und Gold, Symbol der Auferstehung, erstrahlte die Todverkündigung, in Rot die Liebe zwischen Siegmund und Sieglinde, Farbe des Lebens, das sich selbst in der Geburt erneuert, aber auch des Todes.
Rot, das war die Lebensfarbe Nitschs schlechthin, die des Blutes, das aus den Tierkadavern floss in seinen Aktionen, die er 50 Jahre lang vor seinem Schlösschen im niederösterreichischen Prinzendorf veranstaltete, die der Tomaten, die dabei mit nackten Füßen zertrampelt wurden, der Eingeweide der Tiere, mit denen nackte Menschen überschüttet wurden. Dass Nitsch deshalb von der Polizei verfolgt wurde, aus der österreichischen Heimat zeitweise nach Deutschland floh, sorgte für den Ruf des Skandalkünstlers, der ihn berühmt und ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Michael Stallknecht
Aufführung ohne Interpretation, geht das? Immer und immer wieder ist es behauptet worden – von Igor Strawinsky, der seine Musik lieber dem mechanischen Musikinstrument Pleyela überantwortete als den Interpreten seiner Zeit, und ebenfalls von einem unverdächtigen Dirigenten wie Günter Wand, der für sich in Anspruch nahm, in seinem Tun ausschließlich auf den...
Wenige (W)Orte sind derart hoch und vielfältig semantisch orchestriert, stehen für so heterogene, disparate Deutungen, haben so grundverschiedene künstlerische Ausprägungen erfahren wie der Topos «Babylon». Wobei vieles hochtönendes Bildungsinventar bleibt. Eine leibhaftige Erfahrung ist erinnerlich: Im Bruegel-Saal des Wiener Kunsthistorischen Museums trafen sich...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Lange her ... In meiner Opernstudiozeit an der Bayerischen Staatsoper. Angela-Maria Blasi als Liù in «Turandot».
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Deutschland sollten wir lieber die bestehenden sanieren/renovieren. Aber klar … Ein Opernhaus auf dem Mond hätte was!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
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