Euridike, emanzipiert

Offenbach: Orpheus in der Unterwelt Darmstadt / Staatstheater

Sieht man einmal von der «Hoffmann»-Oper ab, gehört Offenbach an deutschen Stadt- und Staatstheatern nicht unbedingt zum Kernrepertoire. Rundum geglückte Aufführungen seiner Operetten sind sogar äußerst rar. Nun hat das Haus in Darmstadt «Orpheus in der Unterwelt» herausgebracht – und man möchte fast von einer gelungenen Produktion sprechen. Die Ulk-Mythologie in ansehnlicher Gestalt, das ist ja schon was.

Die vor 150 Jahren gnadenlos kommerzielle Komponente des Offenbach’schen Musiktheaters scheint heute zum Musealen geadelt – sicher auch ein Handicap bei dem Versuch, den anarchistischen Biss seiner Stücke zu bewahren. Glückte das Jérôme Savary mit seinen taumelnd opulenten Bilder-Ex­zessen? Wird das in roh karnevalesken Neu-Adaptionen erreicht? Vielleicht kam die Offenbach-Essenz (einschließlich ihres musikalischen spiritus) nirgendwo besser zum Vorschein als in den einsamen Operetten-Rezitationen des genialen Vortragskünstlers Karl Kraus. Aber auch die waren natürlich zeitgebunden, sind unwiederholbar.

Die Darmstädter Regisseurin Cordula Däuper versuchte Synthesen (nicht Kompromisse) auf hohem Niveau. Sie verzichtete auf schrille Aktualisierungen, auch die deutsche ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich