Nymphenzauber

Wagner: Das Rheingold
Chemnitz | Oper

Die drei Rheintöchter schwingen an Lianen über die Bühne, nackt sehen sie aus, ihre goldblonden Locken-Mähnen wehen im Wind. Am Rande steht der zottelige Satyr Alberich, geifernder Lüstling. Er will eine haben, allzeit bereit mit dauererigiertem Glied. Die Liebe bleibt ihm verwehrt, aber die güldenen Haare, die raubt er. Das war es mit der Natur, mit der Unschuld, an ihre Stelle tritt der Konsum. Dem verfallen alle. Am Ende sogar die Rheintöchter. Nach dem Frevel geht es weiter in einem Heute, das wir nur allzu gut kennen.

Verena Stoiber eröffnete den neuen «Ring»-Zyklus in Chemnitz – drei weitere Regisseurinnen setzen sich bis Jahresende mit der Tetralogie auseinander. Ob ihre Lesart eine spezifisch weibliche ist, sei dahingestellt, schwer zu definieren ist das ohnehin. Stoibers Blick richtet sich, ganz übergeschlechtlich, auf die Konsumkritik. Sicherlich keine ganz neue Sicht auf die «Ring»-Dinge, aber sie hat feine Ideen. Loge, der Brandstifter, ist es, der Alberich stumm das Messer reicht, um den Rheintöchtern Haare und Würde zu nehmen. Wotan und Loge meinen Alberichs Tarnkappen-Verwandlung in Wurm und Kröte zu beobachten, in Wahrheit sehen sie nur, was sie sehen wollen. Er hält ...

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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Nora Sophie Kienast

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