Nichts für die Tonne

Kerker: Tanz auf dem Pulverfass Gießen / Großes Haus

Unter der Leitung von Cathérine Miville hat sich das Stadttheater Gießen zu einer erstaunlichen und program­matisch gewitzten Bühne entwickelt. Die musiktheatralischen Ausgrabungen erfreuen nicht nur Profis, sondern wecken auch breiteres Publikumsinteresse in der Universitätsstadt und ihrem Umland. Und dem philologischen Eifer entspricht eine bemerkenswerte Aufführungsqualität. Auch bei der Realisierung von heiteren Stücken, wie unlängst schon die Wiederentdeckung von Paul Abrahams «Victoria und ihr Husar» zeigte.

Jetzt galt es einer noch größeren Unbekannten: dem 1909 für das Berliner Metropoltheater geschriebenen «Tanz auf dem Pulverfass – Die oberen Zehntausend». Der Autor, Gustave Kerker, 1857 in Herford geboren, ging bereits als Jugendlicher nach Amerika, wo er zu einem der Pioniere der musikalischen Unterhaltungskunst am New Yorker Broadway wurde. Vom kreativen Potenzial der Afro-Amerikaner nahm er wohl noch wenig wahr, sein Idiom ähnelt eher dem der englischen Kultoperetten von Gilbert & Sullivan. Für den Berliner Auftrag fand er ein spezielles «westfälisches» Temperament in der Mitte zwischen Paris, Berlin und Wien: Schwungvoll dreht sich die leichthändige Musiksprache um ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich

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