Nicht singen!

Berlin, Strauß: Die Fledermaus

Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom Glanz und Glamour im Hause Eisenstein. Große Welt, ganz klein.

Wie eine Erinnerung an die Zeit der Uraufführung mutet das Bühnenbild von Olaf Altmann an, wie eine Erinnerung an das Jahr 1874, als die heute weltbe­rühmteste Operette «Die Fledermaus» das Dunkel der Welt erblickte: Wirtschaftskrise, Untergangsstimmung. Ja, und auch von der funkelnden Musik, mit der Johann Strauß die Ouvertüre prall gesegnet hat, bleibt in der Inszenierung von Michael Thalheimer kaum etwas übrig. Außer Verfremdung.
An Hammondorgel, Typ B3, und einem Piano der Marke Fender Rhodes spielen Wolfgang Roggenkamp und Franz Leander Klee in einem Potpourri-Parforceritt zwar nicht die thematische Substanz, jedoch alle Eleganz dieser Musik über den Haufen, so als würde jemand mit einem Teppichmesser durch ein Gemälde von Gustav Klimt hindurchfahren. ...

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Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten

Vergriffen
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