Nicht gerächt, gerettet

Paris, Saariaho: Adriana Mater

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Von der sehnsüchtigen Liebe im fernen Mittelalter, von der Kaija Saariahos erste Oper «L‘Amour de loin» handelt, springt die finnische, in Paris lebende Komponistin mutig in unsere kriegerische Gegenwart, wieder vom Librettisten Amin Maalouf begleitet. Die Liebe spricht hier mit anderen Worten: Im Krieg, hier irgendwo in den balkanischen oder nahöstlichen Krisengebieten, bedeutet Liebe Gewalt, Vergewaltigung, Rache, Tod. Aber bis zum Tod lassen es Komponistin und Textautor nicht kommen.

Dem rachedurstigen unehelichen Sohn der Adriana Mater namens Yonas sinkt beim Anblick des alt gewordenen, blinden Vaters und Vergewaltigers der Mutter die Waffe aus der Hand. Er kann‘s nicht tun, sorry Mom! Diese aber jubelt, weil ihr Sohn ihr Blut in den Adern hat. Er ist ein guter Mensch geworden und für die böse Welt ein glühendes Beispiel dafür, wie man die endlos scheinende Spirale der Gewalt endlich durchbrechen könnte: durch Gutmenschentum.
Wenn es so einfach wäre! Das Libretto liest sich wie eine Story in der «BILD». Maaloufs Feierlichkeit und das gehobene Pathos seiner Bekundungen nähern sich ­einem Erbauungstraktat. «Mein Leben, das ich einst verloren wähnte, habe ich endlich ...

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Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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