Nicht gerächt, gerettet
Von der sehnsüchtigen Liebe im fernen Mittelalter, von der Kaija Saariahos erste Oper «L‘Amour de loin» handelt, springt die finnische, in Paris lebende Komponistin mutig in unsere kriegerische Gegenwart, wieder vom Librettisten Amin Maalouf begleitet. Die Liebe spricht hier mit anderen Worten: Im Krieg, hier irgendwo in den balkanischen oder nahöstlichen Krisengebieten, bedeutet Liebe Gewalt, Vergewaltigung, Rache, Tod. Aber bis zum Tod lassen es Komponistin und Textautor nicht kommen.
Dem rachedurstigen unehelichen Sohn der Adriana Mater namens Yonas sinkt beim Anblick des alt gewordenen, blinden Vaters und Vergewaltigers der Mutter die Waffe aus der Hand. Er kann‘s nicht tun, sorry Mom! Diese aber jubelt, weil ihr Sohn ihr Blut in den Adern hat. Er ist ein guter Mensch geworden und für die böse Welt ein glühendes Beispiel dafür, wie man die endlos scheinende Spirale der Gewalt endlich durchbrechen könnte: durch Gutmenschentum.
Wenn es so einfach wäre! Das Libretto liest sich wie eine Story in der «BILD». Maaloufs Feierlichkeit und das gehobene Pathos seiner Bekundungen nähern sich einem Erbauungstraktat. «Mein Leben, das ich einst verloren wähnte, habe ich endlich ...
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Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von...
Ein starkes Stück. Auch wenn man es mit traditionellen Mitteln auf die Bühne bringt. Wie jetzt in Lübeck, wo Regisseur Marc Adam dem Werk keinerlei Gewalt antat, sondern – konzentriert auf die Darsteller und ihre Körpersprache – Bergs «Wozzeck» als Tragödie der Beziehungslosigkeit unter den Menschen entwickelte. Der fast requisitenfreie, leere Raum als Ort, wo die...
Bürgt der Volkston in den «Wunderhorn»-Texten für eine leichtere Umsetzung in Musik?
H. R.: Ja, denn er bietet dem Komponisten mehr Raum als ein Gedicht aus der Kunstlyrik, das in sich viel strenger gefügt ist. Beim «Wunderhorn» haben wir diese Sprünge, die die Texte machen, bei denen also, verglichen mit ihren Vorlagen, manchmal ganze Strophen ausgelassen werden,...
