Neunmalklug
Angeblich liegt Jules Massenets Oper «Hérodiade» Gustave Flauberts gleichnamige Erzählung zugrunde. Flaubert freilich hält sich in diesem Spätwerk genau an den biblischen Befund, wie ihn auch Strauss’ «Salome» in etwa wiedergibt.
Diese kurze Geschichte (bei Strauss reicht sie ja auch nur für einen Einakter) schien für eine Grand Opéra ein bisschen dürftig, und so plusterten die Librettisten Milliet und Grémont sie mit allerlei Intrigen auf: Salome und Herodias sind Rivalinnen, wissen aber voneinander zunächst nicht, dass sie Mutter und Tochter sind; die darob leicht neurotische Salome hängt mit schwärmerischer Liebe an dem Wanderprediger Johannes, wird ihrerseits aber von Herodes begehrt. Sie fordert auch nicht Johannes’ Kopf, fleht vielmehr um sein Leben. Als das fehlgeht, stürzt sie sich in mörderischer Absicht auf Herodias; als sie erfährt, dass diese ihre Mutter ist, tötet sie sich selbst.
Die ursprüngliche Geschichte verschwindet hinter solcherlei holzschnittartiger Opern-Kolportage. Zudem wird das Ganze mit breit ausgeführten Massenszenen im «orientalischen Stil» prächtig aufgezäumt. Man hat «Hérodiade» deswegen mit Verdis «Aida» verglichen: Während aber dort die ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Ingo Dorfmüller
Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) –...
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Claus Guth hat seinen Grundansatz in letzter Zeit kaum variiert. Missbrauch, Dekadenz oder mentale Instabilitäten waren Leitmotive seiner Inszenierungen. Wer da an was oder wem litt, wurde in aller Deutlichkeit vorgeführt. Nun, beim neuen «Parsifal» in Barcelona, findet sich zwar wieder das bekannte großbürgerliche Ambiente. Doch aufs bekannte Guth-Schema lässt...
