Neuer Wind in Windy City
Die nordamerikanische Metropole am südlichen Zipfel des Lake Michigan empfängt uns mit einem schwindelerregenden Temperatursturz: Eben noch zeigte die Wetter-App über 20 Grad an, doch innerhalb weniger Stunden fällt das Thermometer auf den Nullpunkt. Im «Blue Line»-Zug vom Flughafen nach Downtown scheint niemand überrascht, die «windy city» ist vertraut mit extremen Wetterkapriolen.
Die drittgrößte Stadt der USA ist berühmt für ihre atemberaubende Architektur-Moderne, Frank Lloyd Wright und Louis Sullivan prägten die Skyline, und Mies van der Rohe entwickelte seit seiner Immigration 1937 mit dem «New Bauhaus» hier seine bahnbrechenden Ideen weiter. Die Lyric Opera of Chicago residiert in einem 45-stöckigen Hochhaus von 1929, der imposante Art-déco-Saal fasst nicht weniger als 3500 Plätze.
Im Foyer überrascht vor der Vorstellung von «Don Carlos» ein äußerst diverses Publikum. Es mischen sich Jung und Alt, urban und ländlich, schrill gekleidete Fashion Victims treffen auf knorrige Siedler-Typen, festliche Pailletten-Outfits begegnen lässigen Hoodies. Der Hang zu exzessiver Klimatisierung trotzt selbst den strengen Außentemperaturen, dennoch ist man gut beraten, den Mantel oder ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Reportage, Seite 62
von Regine Müller
Auf die weit aufgerissene, bis zu den Brandmauern leere Bühne treten zu Leonard Bernsteins das Leben lobpreisender Ouvertüre allerhand Menschen in bunt-diverser Kleidung. Sie könnten sich gerade zu einer Chorprobe hier im Opernhaus versammeln, nehmen sie doch auf einer sich über die ganze Portalbreite ausdehnenden Stuhlreihe Platz und beobachten, was Einzelne von...
Gute Nachrichten aus New York: Die Uraufführung von Kevin Puts’ Oper «The Hours» auf ein Libretto von Greg Pierce ist ein veritabler Erfolg. Der Komponist, der sich zuvor unter anderem mit Werken wie «Silent Night» (Minnesota Opera, 2011) und «Elizabeth Cree» (Pittsburgh, 2017) einen Namen gemacht hatte, legt mit seinem neuen Werk, dessen konzertante Premiere...
Dass es in der Oper, dem «Kraftwerk der Gefühle» (Alexander Kluge), immer schon auch um soziale und ökonomische Verhältnisse ging, ist bekannt. Unter den fest im Repertoire verankerten Komponisten hat sich aber wohl keiner so sehr für wirklich prekäre Lebensverhältnisse interessiert wie Giacomo Puccini, auch wenn er sie – wie in «La Bohème» – gelegentlich...
