Modern Lied. Kompositionen von Heinz Holliger, György Kurtág, Helmut Lachenmann, Bernhard Lang, Wolfgang Rihm, Salvatore Sciarrino. Sarah Maria Sun (Sopran), Jan Philip Schulze (Klavier). mode 297 (CD); AD: 2016
Neue Musik und Stimme(n)
Neue Musik für oder mit Stimme – das ist der gemeinsame Nenner. Sonst haben die drei CDs wenig gemein. Die Sopranistin Sarah Maria Sun wirkt zwar gleich bei zwei der hier vorgestellten Produktionen mit. Doch das vergleichende Hören zeigt einmal mehr die (nicht mehr ganz so neue) Unübersichtlichkeit gegenwärtigen Komponierens an.
Sarah Maria Sun und ihr Klavierpartner Jan Philip Schulze arbeiten schon seit geraumer Zeit an etwas, das sie «The Big Program» nennen: Die «tollsten zeitgenössischen Lied-Meisterwerke» soll es enthalten, liest man im Booklet.
Gemessen an diesem Anspruch, kann die vorliegende CD nur einen Ausschnitt bieten, doch der hat fraglos Substanz. Die ausgewählten Stücke nutzen die traditionelle Konfiguration: Singstimme und Klavier. Also genau jene Gestalt, die jüngeren Komponistinnen und Komponisten problematisch geworden ist. Für Iris ter Schiphorst etwa ist das Klavierlied samt seiner Konventionen und Aufführungspraxis, der direkten Konfrontation des Hörers mit der «Expression der singenden Person» nichts als «Geschichtsschrott».
Vor diesem Hintergrund ist ein Programm mit dem Titel «Modern Lied» fast schon eine Provokation. Sun und Schulze vertrauen auf das ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Ingo Dorfmüller
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von...
«Mozart … The supreme decorator». So lautete der Titel einer Arien-Anthologie, mit der Charles Mackerras zeigte, wie Mozart seine Musik auszierte; zum einen, um junge Sängerinnen in die Gesangskunst einzuweisen, zum anderen, um «die Expressivität oder die Brillanz einer Arie durch eine sinnvolle Hinzufügung zusätzlicher Noten, Effekte und Kadenzen zu steigern»....
Natur, Heimat, Seele – vermintes Motivterrain, vor allem auch im Theater, das, was idealtypische politisch-kulturelle correctness betrifft, gerne ganz vorne an steht. Das macht die aktuellen «Freischütz»-Aufführungen auch so interessant und überraschend: Man kann sich im Voraus kaum so recht ausmalen, was sich die szenografischen Interpreten wieder ausgedacht...
