Neue Heimatkunst

Das Projekt verdankt sein zen­trales Stichwort dem bewundernden Ausruf eines Radioreporters über den Stürmer Günter Netzer (bzw. dem Kulturtheoretiker Karl Heinz Bohrer, der die tief­sinnige Formulierung kolportierte). Die Kreation zielt hörbar auf Phänomene der Alltagskultur – und auf den Versuch, Impressionen und Entladungen aus der Fußballwelt in die Sphäre einer repräsentativen Tonkunst zu transformieren.

Michael Klaus aus Gelsenkirchen, der bereits ein Schalke-Musical textete («Nullvier – Keiner kommt an Gott vorbei»), schrieb das Lib­retto für ein ambitioniertes Fußball-Oratorium. Um das brodelnde Innen­leben eines Stadions einzufangen (und was aus ihm hinausdringt in die übrige Welt), benutzte er vor allem das Stilmittel der Radio-Live-Konferenz.
Freilich greifen die aufgebotenen literarischen und kompositorischen Techniken weit in die Geschichte aus. Die Form der Szenenfolge, die sich an der rasch zu erzählenden Biografie eines typischen Profifußballers entlanghangelt, ist an die Dramaturgie des barocken (geist­lichen) Oratoriums angelehnt. Eine geballte Ladung neueres Medien-Deutsch, abgehangene Fußballweisheiten sowie Klassiker-Sentenzen und Bibelsprüche verleibte sich der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der verschlankte Fluss

Koblenz hat eine der kleinsten Opern Deutschlands und ist doch eine Wagner-Stadt: In der vergangenen Saison hat sich das Haus mit großem Erfolg an «Parsifal» gewagt – ein Theatercoup, für den das Orchester auf der Bühne platziert, die Inszenierung auf das Proszenium und große Chormassen ins Foyer verlagert wurden. Jetzt wagte man sich an «Rheingold» – doch diesmal...

Historische Akustik

Judith Szédelyi leitet in der ungarischen Gemeinde Fertöd die Verwaltung des Schlosses Esterháza. Im April 2005 hat der junge Dirigent Marton Rácz die künstlerische Leitung der Konzerte auf Schloss Esterháza übernommen. Seit 1998 ist er Musikchef und Dirigent des Niederländisch Ungarischen Festivals für Alte Musik in Budapest.

In Esterháza hat Joseph Haydn vor mehr...

Klingende Konstruktionen

Diese Musik schwimmt auf leichter Welle, sie krault munter dahin, mitunter scheint sie zu schweben. Joan Albert Amargós’ «Orpheus und Eurydike»-Vertonung verbindet zwei Genres, die Oper und das Marionettentheater. Glücklicher hätte die Stoffauswahl kaum ausfallen können, um die Welten der konventionellen Oper mit ihrem klassischen Gesang auf der einen Seite und das...