Narziss und Vollmund

Buch des Monats: Blitzgescheit: Claus-Steffen Mahnkopfs Buch «Die Kunst des Komponierens»

Opernwelt - Logo

In einem Interview hat Helmut Lachenmann vor Jahren einmal einen bemerkenswerten Satz gesagt: «Ich werde komponiert.» Abseits der Tatsache, dass dies semantisch wie real schwierig ist, da nur der Komponist Lachenmann in der Lage ist, Töne und Klänge, welcher Art auch immer sie sein mögen, zu erfinden, steckt in diesem Satz doch auch ein dickes Körnchen Wahrheit. Komponieren kann nur jemand, der dazu getrieben wird, wie auch eine Schriftstellerin nur schreiben und ein Maler nur malen kann, wenn sich ein wirklicher Ansporn regt.

Und genauso meinte Lachenmann das vermutlich auch: Der innere Wille muss groß sein, um das weiße Blatt Papier zu füllen – in der Hoffnung, etwas Kunstvolles möge dabei herauskommen. 

Spätestens seit Mozart existiert der durch Immanuel Kants Begriffssetzung theoretisch untermauerte «Glaube», Komponisten seien Genies. Dass aber Komponieren in erster Linie ein Handwerk ist, wird gerne außer Acht gelassen. Allein deswegen ist das vorliegende Buch von Claus-Steffen Mahnkopf ein lohnenswertes Unterfangen – zumal der (philosophisch beschlagene) Autor nicht nur Professor für Komposition an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater und Herausgeber der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
In der Folterkammer

Wo ist die Bühne? Außen oder innen?», fragt der Schauspieler und Tänzer Nicolas Franciscus (auf Ungarisch) im Prolog zu Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» am Theater Basel. Christof Loy mag vor allem Bilder, die im Inneren des Betrachters entstehen. Deshalb meidet er auch in dieser Regiearbeit, einer Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid, ein allzu...

Im Tollhaus

Er will sie, er will ihn – und er will alles: So ist Eliogabalo, der ohne Zweifel verrückteste Kaiser im alten Rom. Als 14-Jähriger kam Varius Avitus Bassianus 218 n. Chr. auf den Thron, trieb sein Wesen und tat dies äußerst heftig, wenn auch nur kurz: Vier Jahre nach der Thronbesteigung hauchte er, von der Hand eines Mörders getroffen, sein Leben aus – später...

Leise flehen meine Lieder

Hoffnung klingt anders. Traurig und trist tropfen die Achtel von der imaginären Decke herunter, fallen auf schwere, quer im Raum verteilte Halbnotensäulen. Und dann diese Tonart! D-Moll, das riecht nach Unheil, Schmerz, nach Tod. Dennoch versucht es der Dichter, mit einer triolischen, sich behutsam aufrichtenden Phrase und mit jenen Worten, die dem Komponisten...