Mörderische Leere

Nancy: Korngold «Die tote Stadt»

Erich Wolfgang Korngolds bekannteste Oper scheint untrennbar verbunden mit der morbiden Atmosphäre der Stadt Brügge, Schauplatz des Romans «Bruges-la-morte» von Georges Rodenbach, der dem Libretto zugrunde liegt. Da geht Regisseur Philipp Himmelmann schon ein gewisses Risiko ein, wenn er in seiner Produktion an der Opéra de Lorraine auf jegliches Lokalkolorit verzichtet. Raimund Bauer hat ihm eine puristische Bühne gebaut, bestehend aus sechs in zwei Etagen angeordneten Boxen, in die der Zuschauer blickt wie in fremde Wohnzimmerfenster.

Die Ausstattung ist spartanisch, ein Sessel, eine Stehlampe. Hier lebt Paul in krankhafter Symbiose mit seiner toten Frau Marie, bis er in der Tänzerin Marietta ihr Ebenbild trifft. In seinen Visionen, die einen Großteil der Handlung ausmachen, wächst daraus eine Beziehung, die damit endet, dass er Marietta tötet.

Himmelmanns Kunstgriff: Die Akteure treffen sich nie direkt, sie halten sich in unterschiedlichen Räumen auf. Das wirkt wie eine antiquierte Filmtechnik, mit der man früher ermöglichte, einen einzelnen Schauspieler in Zwillingsrollen einzusetzen: Wenn Paul Marietta umarmt, tut er das für sich allein, und parallel agiert Marietta synchron ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Kritik, Seite 99
von Dieter Lintz

Vergriffen